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"Der neue Tag" vom 28.01.2008, Netzcode: 1246729
Orgelklänge brausen durch das Kirchenschiff
Stehende Ovationen für Dresdner Kantor Matthias Grünert - Klangfacetten der Orgel ausgelotet

Mitterteich. Hochkarätigen Besuch hatte die Stadtpfarrkirche St. Jakob am Freitagabend. Ein Konzert der Extraklasse gab Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkirche, auf der neuen Pfarrer-Richter-Gedächtnisorgel.

Sehr viele Zuhörer hatten leider nicht in die Kirche gefunden, verdient hätte das Programm allerdings voll besetze Bänke, denn Grünert zeigte mit Werken des Barock und der Romantik, welche großen Klangmöglichkeiten in der Mitterteicher Orgel stecken.

Volles Werk zu Anfang mit Praeludium und Fuge in h-Moll, BWV 544, von Johann Sebastian Bach ließ die Zuhörer atemlos gespannt lauschen und den Organisten in grandiosem Orgelklang schwelgen. Sehr sanft und ruhig präsentierte Grünert im Anschluss den Choral der Sonate VI in d-Moll op. 65,6 von Felix Mendelssohn Bartoldy. Virtuose Läufe und rasche Sechzehntelfiguren erschienen in den abwechslungsreichen Variationen und in der Fuge. Das Finale wieder sehr zart und stimmungsvoll elegant.

Mit "Praeludium und Fuge über Bach" von Franz Liszt ließ Matthias Grünert die Kirche fast erzittern durch rauschende Läufe und prunkvolle Akkorde. Immer wieder schälte sich das viertönige Thema aus den Klangkaskaden. Die Fuge begann wie aus einer anderen Welt, kaum hörbar mit dumpfen und düsteren Klängen, die man einer Orgel kaum zutraut. Immer strahlender und prächtiger werden die Töne, ehe vor dem großen Finale noch einmal kurz in die sphärischen Klänge des Anfangs zurückgekehrt wird.

Grünert sparte in dem spätromantischen Werk nicht mit pompöser und ausgefeilter Registrierung und zeigte neben seinem technischen Können und großem Einfühlungsvermögen die vielfältigen Klangmöglichkeiten der Orgel.

Den Abschluss des Abends bildete das gut 30-minütige Werk "Grande piece symphonique" op. 17 von César Franck, das seinen Namen durchaus zu Recht trägt. Symphonische Ausmaße und Klänge von tiefsten Tiefen bis in höchste Höhen brausten durch das Kirchenschiff. Ein flotter Volkstanz erklang, und die Orgel zeigte sich von ihrer heiteren Seite, ehe wieder ernste und majestätische Töne den Abend zu einem grandiosen Ende brachten.

Die Zuhörer zeigten sich begeistert und feierten den Dresdener Kantor Matthias Grünert mit stehenden Ovationen.