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"Der neue Tag" vom 20.12.2006, Netzcode: 10957414
Zarte Tonbilder und voluminöse Klangfülle
Matthias Eisenberg konzertiert auf neuer Hoerl-Orgel in St. Jakob Mitterteich

Mitterteich. Das gibt es nicht gerade oft! Eine große deutsche Fernsehzeitschrift (die in ihrem Namen mehr auf den Hör- als auf den Sehsinn setzt), macht in ihrer derzeitigen Weihnachtsausgabe unter dem Titel "Im Namen Gottes" auf ein Konzert in Mitterteich aufmerksam: am dritten Advent gab Kirchenmusikdirektor Matthias Eisenberg aus Zwickau sein zweites Konzert auf der neuen Hoerl-Orgel, die von ihm ihr symphonisch-romantisches Klangbild erhielt.

"Weltbester Organist"

Ganze vier Seiten mit Farbfotos und dem Text eines bekannten Autors, der Eisenberg als (und das ist nicht neu!) "einen der besten Organisten der Welt" preist, widmet die Illustrierte, und lädt zu den zehn Eisenberg-Konzerten in der zweiten Dezemberhälfte ein.

Zu seinem zweiten Gastspiel an dem neuen Instrument (das bei seiner vorgezogenen Weihe im Herbst wegen der Verabschiedung des Stadtpfarrers in den Ruhestand nicht ganz vollendet gewesen war) war Eisenberg nicht allein gekommen, sondern hatte aus seiner Wirkungsstätte Zwickau seine Kantorei mitgebracht. Vor großem Publikum in der fast voll besetzten Kirche musizierten unter dem Motto "Gaudete in Domino semper!" (Freut euch im Herrn immer!) der Chor der Pfarrei St. Jakob Mitterteich mit der befreundeten Kantorei Luther-Moritz-Johannis aus Zwickau. Unter Gesamtleitung von Matthias Schraml, dem örtlichen Kirchenmusiker und Eisenberg-Schüler, wurde a cappella ein adventliches Musikprogramm geboten, das vier- bis achtstimmig von alten Meistern und Volksliedgut bis zur Romantik reichte. Von der Empore herab und begleitet von Eisenberg stand die extravagante und faszinierende "Missa solemnis" von Louis Vierne im Zentrum des Konzerts, das mit Bachs unbändig fröhlich interpretiertem "Jauchzet, frohlocket!" endete.

Virtuose Spielfreude

Solistisch lebte der von einem vollen Terminkalender gestresste Eisenberg (der am dritten Advent mitnichten nur in Mitterteich konzertierte) an der Orgel von Karsten Hoerl sichtlich auf: Mit zartesten Bläser- und Streicherstimmen zeichnete der Organist Johann Sebastian Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland" mit warmtönigen Bläser- und Streicherstimmen, bevor Eisenberg in virtuoser Spielfreude bei Leon Boellmanns "Suite gothique" die volle Klangpracht und dynamische Weite des Instruments mit steinernem Schwellwerk beweisen konnte.

Zu einem farbenprächtigen Bild geriet Alexandre Guilmants Marsch über das Thema "Machet die Tore weit" aus Händels "Messias". Die interessante Variante zur Adventsliteratur zeigte endgültig, dass die Mitterteicher Orgel (wie ursprünglich geplant) zur Weihnachtszeit mit ihren 55 Registern nun fertig ist und eine Bereicherung der Musiklandschaft der Region bildet. Gut Ding will Weile haben!