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"Der neue Tag" vom 23.09.2004, Netzcode: 10617502
"Schattentänzer" und Jazz-Anleihe
Sabine und Siegfried Petri konzertieren mit Flöte und Orgel in Weißenbrunn

Neuzirkendorf. Ein interessantes Doppel war im Rahmen der Konzertreihe in der Wallfahrtskirche St. Laurentius in Weißenbrunn angekündigt: Orgel- und Flötenmusik von Siegfried und Sabine Petri aus Chemnitz standen auf dem Programm. Aufgrund der bisherigen Konzerte haben sich die Zuhörer schon daran gewöhnt, von der musikalischen Darbietung verzaubert zu werden. Auch dem musizierenden Ehepaar gelang dies - wenngleich zunächst mit leichten Abstrichen.

Das Repertoire reichte vom Barock bis zur Moderne. Zum Auftakt stand Samuel Scheidts (1587-1654) Toccata über "In te, domine, speravi" auf dem Programm. Weiter ging es mit "Canzone sesta" des Italieners Angelo Berardi. Das Stück bestand aus mehreren Einzelteilen, die ohne Unterbrechung aneinander anschlossen.

Während sich Siegfried Petri an der Orgel ganz zurücknahm und nur dienende Funktion hatte, rückte Flötistin Sabine Petri in den Mittelpunkt. Mit einer geradlinigen Melodie demonstrierte sie, welche Faszination von einer Flöte ausgehen kann. Allerdings waren kleine klangliche Unsauberkeiten im Flötenspiel nicht zu überhören.

Mit den Variationen über "Ich ruf' zu dir, Herr Jesu Christ" des Barockkomponisten Johannes Praetorius konnte sich im Anschluss Siegfried Petri an der Orgel in Szene setzen, bevor ein Blockflöten-Solo folgte: "Schattentänzer" hieß nicht nur das Werk der zeitgenössischen australischen Musikerin Zana Clarke.

Wie eine Schattentänzerin bewegte sich auch Sabine Petri von der Empore durch die Kirche bis vor den Altarraum. Auffällig an diesem Stück, das mit Melodien der australischen Ureinwohner gespickt war, waren die nach oben gezogenen und verbundenen Töne, die dem Werk seinen eigenen Charakter gaben. Ruhig, fast andächtig ging das Stück los, der Mittelteil war geprägt von beschwingter Stimmung, während sich das Finale wieder ruhiger und sanfter gestaltete.

Moderner Höhepunkt

Kam die volle Klangbreite der imposanten Orgel nach dem Geschmack vieler Zuhörer bisher eindeutig zu kurz, so sollte sich dies im zweiten Teil des Konzertes ändern. Das machte Siegfried Petri mit Sigfrid Karg-Elerts "Singet dem Herrn ein neues Lied", einer Choral-Improvisation und Fuge nach der gleichnamigen achtstimmigen Motette von Johannes Sebastian Bach klar. Höhepunkt war allerdings der Auszug aus der "Suite jazzique" von Johannes M. Michel, erst 2003 komponiert. Siegfried Petri entführte die Zuhörer auf eine Traumreise voller Melodik und Harmonie. Besonders im zweiten Teil des Werkes klangen die jazzigen Anleihen durch. Sie waren für den Zuhörer leicht zu erfassen. Auch die schnellen Läufe sorgten für besondere Beschwingt- und Lockerheit.

Perfekte Echoeffekte

Mit der "Sonate B-Dur" von Georg Philipp Telemann ging das Konzert zu Ende. Noch einmal erklangen gleichzeitig Flöte und Orgel, die Themen wurden gegenseitig vorgetragen, aufgenommen und weiterentwickelt. So gelang es dem Musikerpaar perfekt, Echoeffekte zu erzeugen.

Den Applaus am Ende des Konzerts hatten sich die Musiker verdient, die kleinen Unsauberkeiten waren wegen der imposanten Leistung im zweiten Abschnitt vergessen. Mit einer rhythmischen Zugabe rundeten die beiden Instrumentalisten ihr Programm ab.

Das nächste Konzert in der Wallfahrtskirche ist am 3. Oktober um 16 Uhr. Dann gastiert Jürgen Wolf, Kantor der Nicolaikirche Leipzig.