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Von Holger Stiegler, "Der neue Tag" vom 31.08.2004, Netzcode: 10607578
Vogelgezwitscher auf der Orgel
Martin Schmeding brilliert mit abwechslungsreichem Konzertprogramm in Weißenbrunn

Neuzirkendorf. Wenn jemand mit 29 Jahren schon Professor für künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik in Freiburg wird, dann muss er Einiges können. Das bestätigte am Sonntag Martin Schmeding beim Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche St. Laurentius in Weißenbrunn. Der gebürtige Westfale brillierte mit einem musikalischen Bogen, der vom "barocken" Johann Sebastian Bach bis hin zum "modernen" Olivier Messiaen reichte.

Moderne Komponisten

Den Auftakt machte Felix Medelssohn-Bartholdys (1809-1847) Ouvertüre zum Oratorium "Paulus", das 1836 fertig gestellt wurde. Es folgten zwei Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750): "Dies sind die heiligen Zehn Gebot" BWV 678 und das Praeludium und Fuge e-moll BWV 548.

Insgesamt legte Schmeding allerdings einen für Orgelkonzerte eher ungewöhnlichen Schwerpunkt auf Werke modernerer Komponisten. Sehr beeindruckend war hier "Les oiseaux et les sources" ("Die Vögel und die Quellen") aus "Messe de la Pentecôte" des Franzosen Olivier Messiaen (1908- 1992).

Dem Organisten gelang es bravourös, mit den beiden Komponenten Tierreich und Naturgewalt den Kirchenraum musikalisch zu füllen: Die Quellen, die entspringen, der Specht, der hämmert, der Kuckuck, der ruft, der Singvogel, der zwitschert. Dass damit natürlich die traditionellen Rhythmen und Taktformen gesprengt wurden, blieb den Zuhörern nicht verborgen.

Eine ganz andere Musik ist dem Komponisten Louis Vierne (1870- 1937) zu Eigen. Zu hören war dies in dem Scherzo aus der "Symphonie II" e-moll op. 20. Treffsicher spielte Schmeding die regelrechte Aneinanderreihung von harmonischen Läufen, die immer wieder von Dissonanzen unterbrochen wurden.

Harmonischer Schluss

So gelingt es dem Organisten, die Spannung immer weiter zu tragen, obwohl die Zuhörer eine Auflösung erwarten, bis sie schließlich im harmonischen Schlussakkord mündet. Ein Komponist, der bei einem modernen Programm nicht fehlen darf, ist Max Reger (1873-1916). Sehr virtuos spielte Schmeding das "Bene dictus" aus Op. 59 sowie Toccata und Fuge a-Moll aus Op. 80.

Der lang anhaltende Schlussapp-laus, den man bei den Weißenbrunner Konzerten schon gewohnt ist, blieb auch dieses Mal nicht aus. Bei der Improvisations-Zugabe wurde noch einmal die Reinheit der einzelnen Register der neuen Orgel deutlich. Auch das Schwellwerk wurde abwechselnd mit Tutti-Passagen eingesetzt. Ein hochklassiger Orgelnachmittag hätte nicht passender zu Ende gehen können.

Das nächste Orgelkonzert findet am 5. September um 16 Uhr statt. Dann wird Matthias Grünert, der künftige Kantor der Frauenkirche Dresden, in Weißenbrunn zu hören sein.