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Von Holger Stiegler, "Der neue Tag" vom 08.09.2004, Netzcode: 10610965
Andächtig, fröhlich, beschwingt
Matthias Grünert begeistert das Publikum mit Orgelmusik aus vier Jahrhunderten

Neuzirkendorf. Es war wieder für jeden Geschmack etwas dabei beim Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche St. Laurentius in Weißenbrunn. Matthias Grünert, angehender Kantor der Dresdner Frauenkirche, hatte am Sonntag Orgelstücke aus vier Jahrhunderten mitgebracht und versetzte damit das Publikum in Staunen. Egal, ob Frescobaldi oder Hidas - Grünert absolvierte sein Programm mit einer Leidenschaft, die er auch auf das Instrument übertrug.

Italienischer Einstieg

Doch der Reihe nach: Zum Auftakt gab es "Pertite sopra la Monica" von Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643). Der Italiener, der unter anderem Organist am Petersdom in Rom war, prägte mit seinem musikalischen Stil maßgeblich die damalige Zeit. Viele Register und zahlreiche Manualwechsel gehörten auch in dem von Grünert intonierten Werk zu den Auffälligkeiten. Das sehr emotionale Werk bestach durch zahlreiche Stimmungsschwankungen: mal aufgewühlt, mal andächtig, dann wieder fröhlich, fast beschwingt.

Klassiker fehlten nicht

Mit "klassischer" Orgelmusik ging es weiter, denn es folgten Werke von Johann Sebastian Bach (der übrigens ein großer Bewunderer Frescobaldis war). Los ging es mit dem Concerto a-Moll BWV 593, das sich als Werk entpuppte, wie man sich als Zuhörer harmonische und melodische Orgelmusik vorstellt:

Klare, strahlende Register und eingängige Motive, die entwickelt und wiederholt werden. Besonders im zweiten Satz mit dem fugenartigen Beginn kam das Spiel mit dem Pedal zur Geltung, durch das gesamte Werk zogen sich Oktavsprünge so wie es für die Bachzeit typisch war.

Ein weiteres Glanzstück Bachs war das Trio über "Allein Gott in der Höh sei Ehr" BWV 664 aus den "Achten Leipziger Chorälen". Grünert gelang es in perfekter Weise, Bachs Fertigkeit wiederzugeben: das Grundthema taucht in jeder Stimme wieder auf und wird kunstvoll weiterentwickelt. So wurde es für die Zuhörer ein Genuss, jeder Stimme zu folgen und das Trio entfaltete damit seinen ganzen Reiz. Dass Grünert allerdings nicht nur ein Bach-Virtuose ist, konnte er ebenfalls unter Beweis stellen. Mit der Sonate II c-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy gelang ihm - im wahrsten Sinne des Wortes - spielend der Sprung vom 18. ins 19. Jahrhundert.

Harmonischer Lauf

Ein besonderes "Schmankerl" gab es am Ende des Konzerts mit der Toccata von Frygies Hidas. Modernen Komponisten, gerade jenen, die sich der Orgelmusik widmen, eilt oftmals der Ruf voraus, eine völlig neuartige und für das Ohr ungewohnte Musik zu schaffen. Ganz anders der Ungar: Zwar lässt er viele volkstümliche Elemente in seine Komposition einfließen, allerdings in einem Maße, die keine Brüche der Melodie ergeben, sondern das Werk zu einem mit harmonischen Läufen gespickten Gesamtkunstwerk werden lassen. Nahezu jedes Register wurde gezogen, die Tutti-Passagen dominierten in der Toccata.

Bach als Zugabe

Mit der Zugabe kehrte Grünert allerdings zum "Klassiker" zurück. Mit einem Bach-Werk verabschiedete sich der Orgel-Virtuose von einem begeisterten Publikum. Das nächste Konzert in Weißenbrunn findet am Sonntag, 19. September, um 16 Uhr statt. Dann gastiert Siegfried Petri, Organist der Schlosskirche Chemnitz. Begleitet wird er von Sabine Petri auf der Blockflöte.