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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler, "Der neue Tag" vom 09.08.2004, Netzcode: 10597629
Wirklich alles andere als kalten Kaffee geboten
Ensemble "Concerto Agile" stellte sich bei 17. Wurzer Sommerkonzerten vor

Püchersreuth/Wurz. Dass Kaffee eine Droge, eine legale Gesellschaftsdroge ist, haben wir heute so gut wie vergessen. So selbstverständlich greifen wir zur Tasse mit den mannigfaltigen italienischen Erscheinungsformen des schwarzbraunen Bohnentranks.
Vor drei Jahrhunderten war man sich dagegen noch eher bewusst, lasterhaft die neue Modedroge zu sich zu nehmen. So konnte es darüber zum Familienstreit kommen, ein Thema, dass Johann Sebastian Bach humorvoll in seiner Kaffee-Kantate "Schweiget stille, plaudert nicht" behandelte. Diese Kantate und noch mehr bot das neunköpfige Kammermusik-Ensemble "Concerto Agile" aus Dresden seinen 150 Gästen im alten Wurzer Pfarrgarten am Samstag: der herrliche Sommerabend wurde für Bach-Freunde zu einem erfrischenden Fest Alter Musik.

"Agile" als Programm
Nach alter Väter Sitte dirigierte der Ensemble-Leiter und Cembalist Hansjörg Albrecht vom zweimanualigen Instrument aus, das vom Fränkischen Orgelbau zur Verfügung gestellt wurde, und bewundernswert seine Stimmung den ganzen Freiluftabend über hielt. Energisch und frisch machte Albrecht den Ensemble-Namen "Agile" zum Programm: agil, rasend schnell, mit betontem Rhythmus wurde die Alte Musik blutjung geboten, mit erstaunlicher Akkuratesse aller Mitwirkenden. Doch gerade bei Bachs vielsätziger zweiter Orchestersuite, gerade auch noch zum Finale mit der berühmten Badinerie, die als Solostück für Flötisten ein berühmtes Eigenleben entwickelt hat, forderte die Schnelligkeit musikalische Opfer, so dass manche kleine Floskel und Schönheit auf der olympischen Strecke blieb. Hatten sich die Sopranistin Astrid Werner und der Bariton Andreas Jäpel (beide Absolventen der Dresdener Musikhochschule) zunächst einzeln und überzeugend bei Bachs Abschiedskantate für einen Freund, der beruflich nach Ansbach versetzt wurde, und der Liebeskummer-Arie "O Liebe, du Verräterin" vorgestellt, so wurde die "kleine Kaffeeoper" zum unterhaltsamen Glanzstück. Der Streit zwischen dem Vater und seiner renintenten Tochter über den Kaffee-Drogenkonsum geriet köstlich amüsant und durch zarte szenische Andeutungen sehr lebendig. Stimmlich gefielen beide Interpreten durch unangestrengte Durchsetzungsfähigkeit, Glanz und sichere Koloraturen.

Vers als Sprichwort
Diese Kantate mag einst wohl der absolute Lieblingshit (und Werbeschlager?) im Zimmermannschen Coffeehaus Leipzig gewesen sein, wo Bach sich von 1729 bis 1741 über zwölf Jahre jede Woche mehrmals mit Söhnen und Privatschülern traf, um weltliche Musik fernab der Thomaskirche zu pflegen. Und der Schlussvers des Kaffestreits, "Die Katze lässt das Mausen nicht", erlangte sprichwörtliche Berühmtheit - und wurde dem begeisterten Publikum als da capo gewährt.