zurück
Von Anastasia Poscharsky-Ziegler
Kleiner Orgel höchste Weihen erteilt
Matthias Eisenberg und Matthias Schmutzler konzertierten in der Wallfahrtskirche St. Maria Zell

Kirchenthumbach. Das war kurios und einmalig zugleich: Matthias Eisenberg aus Keitum auf Sylt, einer der größten Organisten spielte auf einer der kleinsten Orgeln, und als "Trompeten- und Hornregister" stand kein geringerer als Mathias Schmutzler von der Dresdner Philharmonie zur Verfügung. 100 Gäste, Fans und Fachleute wußten das Ereignis zu würdigen und besetzten die Wallfahrtskirche St. Maria Zell am Samstag bis auf den letzten Platz. Die musikalische Weihe der frisch restaurierten 90 Jahre alten Martin-Binder-Orgel diente als Benefiz -Konzert der Orgel und war vom "Fränkischen Orgelbau Hofmann & Hörl" vermittelt worden. Das Instrument der schmucken Wallfahrtskirche ist eigentlich nur eine kleine Prinzessin mit einem Manual, vier Registern und zwei Koppeln. Doch Matthias Eisenberg putzte sie bei seinen solistischen Parts zu einer Königin heraus, die in ganz verschiedenen klangfarben-prächtigen Gewändern auftrat: das Bach Präludium mit Fuge machte aus dem Bergkirchlein eine barocke Basilika, die sich bei dem Werk Mendelssohn-Bartholdys in eine schlanke und elegante Kathedrale verzauberte. Max Regers "Toccata und Fuge d-moll op. 129" wurde nicht nur zum Jubiläumsgeschenk an die Oberpfalz, sondern verwandelte den Raum durch seinen Klang in einen geheimnisvollen, mächtigen Dom. Mit großer Musikalität und Spielfreude, die durch keine automatisierte Professionalität getrübt wird, zeigte sich Eisenberg, der frühere Gewandhausorganist aus Leipzig, von seiner besten Seite und bewies, daß ein Könner auch an einem guten kleinen Instrument brillieren kann, wenn er dazu bereit ist. Zum hochgradigen Genuß gereichten auch die virtuosen und lupenreinen Darbietungen mit Mathias Schmutzler, dem das Prädikat des Güttler-Schülers nicht mehr länger nachhängen sollte, da er selbst für höchstes Können an Trompete und Horn steht und sich souverän bis in die dreigestrichene Oktave empor wagen kann. Zur Orgelbegleitung gab Schmutzler die festlich jubilierende "Suite in C-Dur" von Theodor Schwarzkopf, ein frisches "Voluntary in D" von John Alcock the elder, und als Meisterstück Pavel Vejvanovskys "Sonate in g-moll", die hinreißend schöne Melodien darbrachte. Das Publikum, das sich nach den sechzigminütigen Darbietungen spontan zu stehenden Ovationen erhob, erbat sich noch drei Zugaben, darunter Johann Sebastian Bachs beliebten Choral "Jesu bleibet meine Freude". Mit einem freundschaftlichen Klaps verabschiedete sich schließlich der große Organist von der blumengeschmückten Orgel.